Wer im Südwesten Deutschlands Kurven sucht, landet früher oder später im Schwarzwald. Das größte deutsche Mittelgebirge zieht sich auf rund 160 Kilometern Länge zwischen Rheinebene und schwäbischer Hochfläche hin und packt auf dieses Gebiet eine Dichte an Panoramastraßen, Passhöhen und Serpentinen, wie man sie sonst erst in den Alpen findet. Dazwischen liegen Karseen mit legendären Bikertreffs, tiefe Täler, mittelalterliche Kurorte und mit dem Feldberg der höchste Berg Deutschlands außerhalb der Alpen. Dieser Ratgeber führt dich einmal quer durch die Region: von den schönsten Strecken über die lohnenden Stopps bis zu den Themen, die im Schwarzwald aktuell heiß diskutiert werden – Reisezeit, Übernachtung und vor allem der Umgang mit dem Lärmkonflikt, der hier schärfer geführt wird als fast irgendwo sonst. Er ersetzt keine fertige Roadbook-Datei, gibt dir aber das komplette Gerüst, um deine eigene Schwarzwald-Tour realistisch aufzubauen.
Warum der Schwarzwald ein Top-Motorradrevier ist
Der Schwarzwald ist ein langgestrecktes Mittelgebirge von rund 160 Kilometern Nord-Süd- und bis zu 60 Kilometern Ost-West-Ausdehnung – und genau diese Größe bei gleichzeitig dichtem Straßennetz macht ihn zum Kurvenparadies: Auf schmalem Raum drängen sich unzählige Höhenstraßen, Passhöhen und Serpentinen, sodass du kaum Autobahnkilometer, aber viel Schräglage fährst. Wer aus Baden, Württemberg oder dem Elsass anreist, hat eines der abwechslungsreichsten Bergstraßen-Reviere Deutschlands praktisch vor der Haustür.
Für die Tourenplanung hat sich eine grobe Zweiteilung eingebürgert, an der du dich gut orientieren kannst. Der Nordschwarzwald rund um Baden-Baden, Freudenstadt und den Mummelsee ist die Heimat der berühmten Schwarzwaldhochstraße – hoch gelegen, gut ausgebaut und landschaftlich weit. Der Südschwarzwald um Freiburg, Feldberg und Titisee ist höher, wilder und einsamer, mit den spektakulärsten Anstiegen zu Schauinsland, Kandel und Feldberg. Dazwischen liegen die großen Täler von Kinzig, Gutach, Höllental und Wiese, die als Verbindungsachsen dienen.
| Region | Typische Orte | Charakter |
|---|---|---|
| Nordschwarzwald | Baden-Baden, Freudenstadt, Mummelsee, Kniebis, Sasbachwalden | Schwarzwaldhochstraße, weite Panoramen, die großen Bikertreffs |
| Mittlerer Schwarzwald | Kinzigtal, Gutach, Triberg, Furtwangen, Wolfach | Uhrenland, Wasserfälle, kurvige Verbindungstäler |
| Südschwarzwald | Freiburg, Feldberg, Titisee, Schluchsee, Todtnau, Schönau | Höchste Berge, wildeste Anstiege (Schauinsland, Kandel, Belchen) |
Der Reiz für Motorradfahrer liegt in der schieren Kurvendichte: Allein der Schauinsland-Anstieg zählt rund 175 Kurven auf nur zwölf Kilometern. Dazu kommen die Höhenlagen bis knapp 1.500 Meter, die weite Ausblicke über die Rheinebene, die Vogesen und an klaren Tagen bis zu den Alpen bieten. Kaum ein anderes deutsches Mittelgebirge verbindet so viele klassische Passstraßen mit so viel Infrastruktur für Reisende.
Anreise: Wie kommst du in den Schwarzwald?
Der Schwarzwald wird im Westen von der A5 (Rheintalautobahn) und im Osten von der A81 gerahmt – über diese beiden Achsen erreichst du praktisch jeden Einstiegsort in wenigen Minuten ab Autobahn. Weil das Gebirge zentral im deutschen Südwesten liegt, ist die Anfahrt aus dem gesamten süddeutschen Raum, aus der Schweiz und aus dem Elsass kurz.
Von der A5 aus dem Rheintal fädelst du im Norden bei Baden-Baden oder Bühl in die Schwarzwaldhochstraße ein, in der Mitte bei Offenburg ins Kinzigtal und im Süden bei Freiburg in den Südschwarzwald. Von der A81 aus dem Osten kommst du über Freudenstadt an das südliche Ende der B500 oder über Villingen-Schwenningen in den mittleren und südlichen Schwarzwald. Wer aus der Schweiz oder vom Bodensee anreist, nutzt die südlichen Zugänge über Waldshut, Schönau oder Todtnau.
Praktischer Nebeneffekt: Der Schwarzwald hat mehrere klassische „Eingänge", und es lohnt sich, den Einstiegsort nach der geplanten Tour zu wählen, statt einfach dem Navi zum nächstgelegenen Ort zu folgen. Wer die Schwarzwaldhochstraße von Norden nach Süden fahren will, startet gut in Baden-Baden; für den Südschwarzwald mit Schauinsland und Feldberg bieten sich Freiburg oder Todtnau an.
Die schönsten Motorradstrecken im Schwarzwald
Das Rückgrat jeder Schwarzwald-Tour bilden vier Strecken: die Schwarzwaldhochstraße (B500) im Norden, die Feldbergstraße (B317) und die Kandelstraße im Süden sowie der kurvenreiche Schauinsland-Anstieg. Wer diese kombiniert, hat die Essenz des Reviers gefahren. Rundherum liegt ein dichtes Netz aus Bundes- und Landstraßen durch die Täler, das sich zu individuellen Runden verknüpfen lässt.
Die Schwarzwaldhochstraße (B500) ist die Kultstrecke schlechthin. Sie führt auf rund 60 Kilometern von Baden-Baden über die Höhen nach Freudenstadt, überwindet dabei etwa 1.000 Höhenmeter und ist eine der ältesten Panoramastraßen Deutschlands, angelegt Ende der 1920er-Jahre. Von Süden kommend reihen sich Kniebis, die Alexanderschanze, der Schliffkopf, der Ruhestein und das Seibelseckle aneinander, ehe die Straße ihren höchsten Punkt am Mummelsee auf gut 1.000 Metern erreicht. Genau hier ist allerdings Vorsicht geboten: Auf der B500 gelten streckenweise Tempolimits von 70 und 50 km/h, an Wochenenden wird verstärkt kontrolliert, und die Strecke gilt als einer der Unfallschwerpunkte für Motorradfahrer in Deutschland (mehr dazu im Abschnitt zu Lärm und Sperrungen).
Im Süden gehört die Feldbergstraße (B317) über den Feldbergpass (1.247 m) zu den Höhepunkten – ein hoch gelegener, aussichtsreicher Übergang, der etwa Schönau im Wiesental mit Titisee verbindet. Ein besonderes, aber sensibles Erlebnis ist der Anstieg zum Schauinsland (1.284 m), dem „Freiburger Hausberg": eine ehemalige Bergrennstrecke mit rund 175 Kurven und bis zu 12 Prozent Steigung – allerdings nur an Werktagen befahrbar (siehe unten). Ähnlich kurvig und beliebt ist die Kandelstraße hinauf zum Kandel (1.241 m) bei Waldkirch. Zur Orientierung eine Auswahl der lohnendsten Strecken:
| Strecke | Verlauf | Was sie ausmacht |
|---|---|---|
| B500 Schwarzwaldhochstraße | Baden-Baden – Mummelsee – Freudenstadt | Die Kult-Panoramastrecke (Tempolimits, Unfallschwerpunkt) |
| B317 Feldbergstraße | Schönau – Feldbergpass – Titisee | Hoher, aussichtsreicher Passübergang im Südschwarzwald |
| Schauinslandstraße | Horben – Schauinsland | ~175 Kurven, ehem. Bergrennen (Wochenend-Sperrung für Motorräder) |
| Kandelstraße | Waldkirch – Kandel | Enge, spektakuläre Bergstrecke (zeitweise Beschränkungen) |
| B33 / B294 Kinzig-/Gutachtal | Offenburg – Hausach – Wolfach | Kurvige Talverbindungen ins Uhrenland (Triberg, Furtwangen) |
Wenn du keine eigene Route zusammenstellen willst, greifst du am besten auf die fertigen ADAC-Rundtouren zurück, die es mit GPX-Daten gibt: die Nordschwarzwald-Tour (rund 256 Kilometer, gut sechs Stunden ab Freudenstadt über Baden-Baden, Bad Liebenzell und Calw; als kürzere Variante etwa 202 Kilometer) und die deutlich längere Südschwarzwald-Tour (rund 370 Kilometer, etwa siebeneinhalb Stunden und rund 12.000 Höhenmeter ab Freiburg, unter anderem über den Schauinsland). Jede davon ist ein üppiger Tagesausflug für sich.
Bikertreffs: Mummelsee, Ruhestein und die Hochstraßen-Stopps
Das gesellige Herz des Schwarzwalds schlägt entlang der Schwarzwaldhochstraße: Am Mummelsee, am Ruhestein, am Schliffkopf und am Kniebis triffst du bei gutem Wetter viele Gleichgesinnte – diese Panorama-Haltepunkte sind ideale Start-, Pausen- und Treffpunkte. Wer die Szene der Region kennenlernen will, plant hier ohnehin einen Stopp ein.
Der Mummelsee auf rund 1.036 Metern ist der bekannteste Anlaufpunkt: ein sagenumwobener Karsee direkt an der B500, mit Gastronomie, großem Parkplatz und einem motorradfreundlichen, ADAC- und DEHOGA-zertifizierten Hotel unmittelbar an der Straße. Von hier führen die schönsten Abschnitte der Hochstraße in beide Richtungen. Wenige Kilometer weiter liegen der Ruhestein mit dem Besucherzentrum des Nationalparks Schwarzwald und der Schliffkopf – beide mit weiten Ausblicken und Einkehrmöglichkeiten.
Am Südende der Hochstraße ist der Kniebis ein natürlicher Sammelpunkt, am Abzweig Sand zweigt die kurvige L83 durchs Bühlertal ab. Abseits der B500 haben sich im mittleren Schwarzwald einzelne Gasthöfe als Bikertreffs etabliert, etwa im Kinzig- und Harmersbachtal. Wichtig an all diesen Orten: Sie liegen oft nah an Wohnbebauung und stehen beim Thema Lärm unter besonderer Beobachtung – ein bewusster Umgang mit dem Gasgriff gehört hier zum guten Ton.
Lohnende Stopps: Seen, Wasserfälle und Gipfel
Der Schwarzwald ist mehr als Asphalt: Zwischen den Kurven warten mit dem Feldberg, dem Belchen, den Triberger Wasserfällen und den Seen von Titisee und Schluchsee einige der eindrucksvollsten Ziele Süddeutschlands. Sie geben einer Tour Struktur und Pausenziele – und sind der Grund, warum sich mehrere Tage lohnen.
Der Feldberg (1.493 m) ist der höchste Berg des Schwarzwalds und zugleich der höchste Deutschlands außerhalb der Alpen; bei klarer Sicht reicht der Blick bis zu den Alpengipfeln. Etwas westlich thront der Belchen (1.414 m), einer der schönsten Aussichtsberge der Region, der seit 2001 auch per Seilbahn erreichbar ist, wenn du die Maschine unten stehen lassen willst. Der Schauinsland (1.284 m) und der Kandel (1.241 m) runden das Quartett der großen Südschwarzwald-Gipfel ab, im Norden ist die Hornisgrinde (1.164 m) an der B500 die höchste Erhebung.
Landschaftlich unschlagbar sind die Wasserziele: Der Mummelsee ist der höchste und größte der sieben Karseen des Schwarzwalds (rund 800 Meter Umfang, bis 17 Meter tief). Die Triberger Wasserfälle stürzen über eine Gesamtfallhöhe von 163 Metern – oft als „höchste Wasserfälle Deutschlands" vermarktet, tatsächlich aber die höchsten außerhalb der Alpen (Deutschlands höchster ist der Röthbachfall im Berchtesgadener Land). Der Titisee und der noch größere Schluchsee im Süden sind klassische Ausflugsseen mit Bikertreff-Charakter. Wer Kultur mag, kombiniert die Fahrt mit den Kurstädten Baden-Baden und Freiburg oder dem Uhrenland um Triberg und Furtwangen. Für jede dieser Stationen führt eine schöne Kurvenstrecke hin.
Motorradlärm und Streckensperrungen: Der Schwarzwald ist ein Brennpunkt
Kein anderes deutsches Motorradrevier steht so sehr im Zentrum des Lärmkonflikts wie der Schwarzwald – wer hier fährt, sollte die Regeln und Hotspots genau kennen und bewusst rücksichtsvoll unterwegs sein. Die gute Nachricht: Ein generelles Fahrverbot gibt es nicht, die Einschränkungen sind punktuell. Die schlechte: Sie sind hier strenger und älter als anderswo.
Das bekannteste Beispiel ist die Schauinslandstraße bei Freiburg. Sie ist für Motorräder bereits seit 1984 gesperrt – jeweils vom 1. April bis 1. November an Samstagen, Sonn- und Feiertagen auf dem Abschnitt ab Horben bergwärts. Das Verbot wird kontrolliert, und Verstöße werden regelmäßig geahndet; Presseberichte über gebüßte Fahrer sind keine Seltenheit. An Werktagen und außerhalb der Saison darfst du den Berg dagegen befahren.
Der zweite Dauerbrennpunkt ist der Kandel bei Waldkirch, wo es am Wochenende ebenfalls Beschränkungen zur Lärmminderung gibt. Zusätzlich sorgten in den letzten Jahren umfangreiche Baustellensperrungen an der Kandelstraße für Ärger – die Polizei warnte ausdrücklich davor, Absperrungen beiseitezuschieben und die Baustelle zu befahren, weil das lebensgefährlich ist. Rund um Sasbachwalden (L86 und Schönbüchstraße) im Nordschwarzwald stehen Lärm-Displays, und die Region ist Keimzelle der Initiative Motorradlärm Baden-Württemberg: 2019 mit 29 Gemeinden gegründet, umfasst sie inzwischen weit über 85 Kommunen und Landkreise und fordert Lärmmessungen, verstärkte Kontrollen, Frontkennzeichen und teils Sonntagsfahrverbote.
Zur ehrlichen Einordnung gehört aber auch: Die Initiative selbst schätzt, dass sich nur rund 5 bis 10 Prozent der Fahrer regelwidrig verhalten – es ist also eine laute Minderheit, die den Ruf aller belastet. Was du konkret tun kannst:
- Drehzahl runter an Treffpunkten und in Ortsdurchfahrten: Gerade in Sasbachwalden, am Mummelsee und in den Kurorten macht ein sanfter Gasgriff den entscheidenden Unterschied.
- Sperrzeiten respektieren: Der Schauinsland ist an Wochenenden von April bis November tabu – hier riskierst du ein Bußgeld und schadest dem Ansehen aller Biker.
- Tempolimits ernst nehmen: Auf der B500 gelten 70 und teils 50 km/h; die Strecke ist ein Unfallschwerpunkt und wird an Wochenenden scharf kontrolliert.
- Legale Lautstärke sicherstellen: Ein zugelassener, unmanipulierter Auspuff mit korrektem dB-Eintrag ist nicht nur Pflicht, sondern das beste Argument gegen weitere Verbote – und die Fahrzeugpapiere gehören ins Gepäck.
Wer sich an diese einfache Etikette hält, trägt dazu bei, dass der Schwarzwald ein offenes Revier bleibt – und fährt selbst deutlich entspannter.
Beste Reisezeit und das Höhenwetter
Die Motorradsaison im Schwarzwald reicht von April bis Oktober, am schönsten sind Frühsommer und Frühherbst – aber die Höhenlage bis knapp 1.500 Meter sorgt für ein eigenwilliges Wetter, mit dem du rechnen musst. Wer die richtige Zeit wählt und wetterfest packt, erlebt die Region von ihrer besten Seite.
Das Sperrfenster am Schauinsland (1. April bis 1. November) markiert nicht zufällig die typische Fahrsaison: In den Hochlagen um Feldberg, Belchen, Schauinsland und Feldbergpass liegt oft bis in den Frühling Schnee, und die Kammstraßen sind spät schneefrei. Am angenehmsten sind der Frühsommer (Mai/Juni) und der Frühherbst (September/Oktober) mit milder Luft, klarer Sicht und weniger Verkehr. Die Sommermonate sind entsprechend beliebt und voll – an schönen Wochenenden stauen sich an Hotspots wie Mummelsee und Triberg Motorräder, Ausflügler und Wohnmobile.
Beachte, dass die kurvigsten Strecken über die Höhen führen, wo es deutlich kühler und feuchter ist als im Tal – wie extrem der Schwarzwald sein kann, zeigte der Orkan „Lothar", der 1999 auf der Hochstraße schwere Schäden anrichtete. Für dich auf der Kammstraße heißt das konkret: Selbst an einem warmen Sommertag im Rheintal kann es oben neblig, windig und empfindlich kühl werden. Wetterfeste, warme Kleidung und ein Regenschutz gehören deshalb bei jeder Schwarzwald-Tour ins Gepäck, auch wenn unten die Sonne scheint.
Mehrtägige Tour und Übernachtung
Für einen ersten Eindruck reicht eine Tagesrunde, für den ganzen Schwarzwald solltest du zwei bis vier Tage einplanen – und dank vieler bikerfreundlicher Hotels ist die Übernachtung kein Problem. Ob Wochenendtrip oder kleiner Urlaub: Die Region ist auf Motorradreisende bestens eingestellt.
Ein sinnvoller Zuschnitt: An Tag eins die Nordschwarzwald-Runde mit der kompletten Schwarzwaldhochstraße, Mummelsee und Kinzigtal, an Tag zwei die Südschwarzwald-Tour ab Freiburg mit Schauinsland (an Werktagen), Feldberg, Titisee und Schluchsee. Wer noch Zeit hat, hängt einen Abstecher ins benachbarte Elsass und in die Vogesen westlich des Rheins an, die sich hervorragend mit dem Schwarzwald kombinieren lassen. So verbindest du Fahrspaß, Sehenswürdigkeiten und Pausen zu einem stimmigen Ganzen, ohne dich zu hetzen. Weil die vielen Stopps und die enormen Höhenmeter mehr Zeit kosten, als die reinen Kilometer vermuten lassen, plane großzügig.
Bei den Unterkünften hast du die Qual der Wahl. Viele Häuser werben aktiv um Biker, etliche tragen das ADAC- oder DEHOGA-Zertifikat „motorradfreundlicher Betrieb" mit sicheren, befestigten Stellplätzen, Werkzeug und Trockenmöglichkeiten für nasse Kleidung – etwa ein Hotel direkt am Mummelsee an der B500. Beliebte Ausgangsorte für die Übernachtung sind Freudenstadt und Baden-Baden im Norden sowie Freiburg, Todtnau und Schönau im Süden – zentral gelegen und mit kurzen Wegen zu den schönsten Strecken.
Welches Motorrad und welche Ausrüstung passen?
Der Schwarzwald belohnt handliche, kurvenwillige Maschinen – ein Naked Bike, ein wendiger Sporttourer oder eine Reiseenduro ist auf den engen Bergstraßen im Vorteil, während schwere Reisedampfer hier weniger glänzen. Wichtiger als die Marke ist, dass du dich in engen Kehren, auf Rollsplitt und in wechselndem Höhenwetter wohlfühlst.
Weil die Strecken selten lang und schnell, dafür oft eng und verwinkelt sind – mit Steigungen bis 12 Prozent an Schauinsland und Kandel und Kurvenkombinationen im Sekundentakt – macht ein leichtes, handliches Motorrad am meisten Spaß. Große Reichweite brauchst du kaum, denn Tankstellen liegen in den Tälern und größeren Orten ausreichend dicht; vor langen Etappen über die dünn besiedelten Höhen tankst du trotzdem lieber einmal mehr. (Dies ist eine allgemeine Einschätzung aus dem Streckencharakter, keine harte Vorgabe – auch mit dem Tourer hast du Freude.)
Bei der Ausrüstung stellst du dich auf das wechselhafte Mittelgebirgsklima ein: wasserdichte, warme Kleidung ist Pflicht, weil es auf den Höhen jederzeit kühl und nass werden kann. Wegen der strengen Lärmkontrollen im Schwarzwald lohnt vor der Reise ein Blick auf den Auspuff – ein legaler, unmanipulierter Schalldämpfer erspart dir Ärger. Reist du in der Gruppe, erleichtert eine Gegensprechanlage im Helm die Verständigung auf den kurvigen Etappen – was dabei erlaubt ist und was nicht, klären wir im Ratgeber zum Thema mit AirPods und Kopfhörern Motorrad fahren. Und weil enge Kurvenstrecken Reifen und Antrieb stärker fordern, lohnt vor einer intensiven Schwarzwald-Woche ein Blick auf den Verschleiß – etwa auf die Kette, deren Bauarten wir im Überblick zum Unterschied zwischen X-Ring- und O-Ring-Kette erklären.
Praktische Tipps und typische Fehler
Die meisten Enttäuschungen im Schwarzwald entstehen nicht durch die Strecken, sondern durch falsche Erwartungen: unterschätztes Höhenwetter, überfüllte Hotspots zur Mittagszeit, missachtete Sperrzeiten und Ärger durch unnötigen Lärm. Wer die Klassiker kennt, holt deutlich mehr aus der Tour.
- Sperrzeiten checken: Der Schauinsland ist an Wochenenden von April bis November für Motorräder tabu, am Kandel gibt es zeitweise Beschränkungen. Vor der Tour kurz prüfen, damit du nicht vor einer Schranke oder einer Kontrolle stehst.
- Früh starten: Vormittags sind die Strecken leerer und die Bikertreffs entspannter. Zur Mittags- und Nachmittagszeit stauen sich an schönen Wochenenden Motorräder, Autos und Wohnmobile.
- Tempolimits auf der B500 ernst nehmen: Die Schwarzwaldhochstraße ist ein Unfallschwerpunkt mit 50/70-Zonen und Wochenendkontrollen – Tempo im Blick behalten, es geht hier um deine Sicherheit.
- Höhenwetter einkalkulieren: Im Rheintal Sonne, auf dem Kamm Nebel – das ist im Schwarzwald normal. Warme, wasserdichte Kleidung immer mitnehmen.
- Lärm-Etikette beachten: In Kurorten, an Treffpunkten und an bekannten Hotspots (Sasbachwalden, Mummelsee) den Gasgriff schonen. Das schützt vor Bußgeldern und vor neuen Verboten.
- Stopps bewusst setzen: Der Schwarzwald lebt von seinen Zielen. Plane Feldberg, Triberger Wasserfälle oder Titisee fest ein, statt nur Kilometer zu fressen.
Wer den Schwarzwald als Einstieg in längere Mehrtagestouren nutzen will, findet hier ein ideales Übungsrevier: echte Bergstraßen, gute Infrastruktur und die Nähe zu Elsass und Vogesen. Von hier aus ist der Schritt zu größeren regionalen Touren – etwa mit dem Motorrad an den Gardasee oder in ein anderes deutsches Mittelgebirge wie den Harz – nur noch eine Frage der Urlaubstage.
Fazit: Süddeutschlands klassisches Kurvenrevier auf zwei Rädern
Der Schwarzwald ist das Traumziel vieler Motorradfahrer im Südwesten – kompakt erreichbar, kurvenreich und mit echten Passhöhen bis knapp 1.500 Meter. Das Rückgrat bilden die Schwarzwaldhochstraße über den Mummelsee, die Feldbergstraße, der Schauinsland und der Kandel, verbunden zu großen Rundtouren durch Nord- und Südschwarzwald. Dazwischen warten der Feldberg als höchster Berg Deutschlands außerhalb der Alpen, die Triberger Wasserfälle, die Seen von Titisee und Schluchsee und die Kurstädte Baden-Baden und Freiburg. Der Preis für dieses Traumrevier ist Rücksicht: Nirgends ist der Lärmkonflikt schärfer, nirgends sind Sperrzeiten und Kontrollen strenger. Wer die milde Reisezeit trifft, das launische Höhenwetter respektiert, die Sperrzeiten kennt und an den sensiblen Hotspots bewusst leise fährt, erlebt eine der schönsten und traditionsreichsten Motorradregionen des Landes. Gute Fahrt – und denk oben an die warme Jacke.




